Wenn der Baht stärker wird und die Preise steigen, frisst sich Pattayas Barszene selbst auf

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Bar-Girls sitzen vor Lokalen entlang der Soi 6 in Pattaya, während die Nachmittagssonne verblasst – ein Sinnbild für eine Nachtwirtschaft unter Druck durch steigende Preise, veränderte Nachfrage und einen starken Baht. (Foto: Jetsada Homklin)

PATTAYA, Thailand – Jedes Mal, wenn der Baht an Stärke gewinnt, kehrt dieselbe Diskussion an Pattayas Bartheken und in den Kommentarspalten zurück: „Es ist einfach zu teuer geworden.“ Doch hinter den Klagen über Wechselkurse verbirgt sich eine tiefere, unangenehmere Wahrheit: Pattayas Barwirtschaft steht von zwei Seiten unter Druck – und am härtesten trifft es ausgerechnet die Bar-Girls.

Ein starker Baht schmälert unbestreitbar die Kaufkraft ausländischer Besucher, insbesondere jener, die in Pfund, Euro oder schwächeren asiatischen Währungen bezahlt werden. Viele Stammgäste weisen jedoch darauf hin, dass der Wechselkurs allein nicht erklärt, warum ein Abend heute deutlich teurer wirkt als noch vor zehn Jahren. Das eigentliche Problem liege in der Preisexplosion innerhalb der Bars selbst.



Barfines, die früher bei wenigen hundert Baht lagen, erreichen inzwischen regelmäßig 1.000 Baht oder mehr. „Lady Drinks“ kosten oft doppelt so viel wie das Bier des Gastes – und sind häufig schneller leer, als sich der Schaum setzt. Die Erwartungen für Short-Time haben ein Niveau erreicht, das früher Wochen gemeinsamer Zeit abdeckte. Sinkt die Nachfrage, steigen die Preise dennoch weiter – eine Strategie, die viele Kommentatoren spöttisch als „thailändische Geschäftslogik“ bezeichnen.

Doch Wirtschaft funktioniert nicht nach Hoffnung. Wenn weniger Kunden kommen, retten Preiserhöhungen selten ein volumenabhängiges Geschäft. Stattdessen treiben sie preisbewusste Besucher weiter – in günstigere Bars, andere Viertel oder gleich in andere Länder. Pattaya konkurriert vielleicht nicht mit Europa, sehr wohl aber mit Vietnam, Kambodscha oder den Philippinen, wo Kosten transparenter und besser kalkulierbar erscheinen.

Ironischerweise schadet diese Entwicklung genau denjenigen, die höhere Preise eigentlich schützen sollen. Bleiben Gäste aus, werden weniger Drinks gekauft, Barfines nicht bezahlt oder Bars einfach gemieden. Die Folge: Bar-Girls sitzen länger für weniger Geld. Viele erhalten weiterhin niedrige Grundlöhne und sind fast vollständig auf Provisionen und Trinkgelder angewiesen. Moralische Appelle wie „Sei nicht geizig“ setzen die Regeln von Angebot und Nachfrage nicht außer Kraft.

Langjährige Anwohner berichten, dass sich der Markt bereits leise anpasst. Bier für 39 bis 70 Baht gibt es noch – nur nicht überall. Bars mit realistischen Preisen bleiben belebt, andere warten in leeren Räumen auf eine zahlungskräftige Vergangenheit, die womöglich nicht zurückkehrt. Pattaya hat nie auf Touristen gewartet, die wegen eines Euro Preisunterschieds gegangen sind – doch es hat auch nie davon profitiert, sich selbst aus dem Markt zu preisen.


Am Ende mag der Baht steigen oder fallen, doch der eigentliche Schaden entsteht durch mangelnde Anpassung. Ein bisschen weniger, so sagen viele, ist besser als gar nichts. Wer diese Lektion ignoriert, riskiert, dass Pattayas Barszene zum Opfer ihrer eigenen Preispolitik wird – mit ärmeren Arbeitern, frustrierten Gästen und einst belebten Straßen, die ihre Dynamik verlieren.