Wenn Prostitution unerwünscht ist, warum bleibt sie in Pattaya so sichtbar?

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Eine ausländische Sexarbeiterin steht nachts an der Beach Road in Pattaya – ein Bild für die anhaltenden Spannungen zwischen Strafverfolgung, Tourismus-Image und der seit langem bestehenden informellen Nachtökonomie der Stadt.

PATTAYA, Thailand – Alle paar Monate tauchen Schlagzeilen auf, die verkünden, Pattaya habe die Beach Road „aufgeräumt“. Und ebenso regelmäßig stellen Festnahmen diese Behauptung leise infrage. Die jüngste Aktion der Einwanderungspolizei gegen ausländische Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter hat erneut eine unbequeme Wahrheit offengelegt: Das Problem ist nicht Sex am Strand, sondern selektive Durchsetzung des Rechts.

Prostitution entlang der Beach Road ist kein Geheimnis. Thailändische Sexarbeiterinnen werden seit Jahren aufgegriffen, mit Geldstrafen belegt, wieder freigelassen – und stehen oft wenige Tage später erneut am selben Ort. Das Thema wird als geringfügiges Ordnungsdelikt behandelt, nicht als etwas, das konsequent beseitigt werden soll. Sind die Betroffenen jedoch Ausländer, eskaliert die Reaktion schnell von Geldstrafen zu Inhaftierung und Abschiebung. Dieser Unterschied bleibt nicht unbemerkt.



Die Reaktionen im Netz auf die jüngsten Festnahmen zeigen Frust – nicht nur über Prostitution an sich, sondern vor allem über die Art der Rechtsanwendung. Viele fragen, warum die Behörden plötzlich rigoros durchgreifen, wenn Nicht-Thailänder beteiligt sind, während tausende thailändische Sexarbeiterinnen in Pattaya, auf der Walking Street und in anderen Ausgehvierteln weitgehend unbehelligt arbeiten.

Andere verweisen auf einen grundlegenden Widerspruch. Offiziell wird Pattaya als „familienfreundliches“ Reiseziel beworben, während die lokale Wirtschaft weiterhin stark von Nachtleben, Bars und Erwachsenenunterhaltung abhängt. Das Ergebnis ist eine Politik zwischen Imagepflege und wirtschaftlicher Realität – sporadische Razzien, die Schlagzeilen verändern, aber kaum das Geschehen auf der Straße.


Einige Kommentatoren stellen unbequeme, aber berechtigte Fragen: Wenn Prostitution tatsächlich unerwünscht ist, warum bleibt sie so offen sichtbar? Wenn sie geduldet wird, warum wird das Gegenteil behauptet? Und wenn es um Ordnung und Legalität geht, warum richtet sich der Fokus auf die Nationalität statt auf klare Regulierung?

Rechtlich mögen Maßnahmen der Einwanderungsbehörden nachvollziehbar sein – ausländische Staatsangehörige, die illegal arbeiten, können abgeschoben werden. Kritiker argumentieren jedoch, dass solche Einsätze die eigentlichen Ursachen nicht angehen: die Nachfrage, informelle Arbeitsstrukturen, die Ökonomie der Bars und das Fehlen einer klaren, konsistenten Strategie. Einige sichtbare Personen zu entfernen, ändert wenig, solange das System selbst unangetastet bleibt.


Das Ergebnis ist ein Kreislauf, den Pattaya gut kennt. Festnahmen werden durchgeführt. Erklärungen veröffentlicht. Die Straßen leeren sich kurzzeitig. Dann kehrt der Alltag zurück – bis zur nächsten Razzia.

Ob die Stadt es zugeben will oder nicht: Das Problem reicht weit über die Beach Road hinaus. Solange Pattaya nicht klar definiert, was es sein möchte, und Gesetze gleichmäßig statt symbolisch durchsetzt, bleibt „kein Sex am Strand“ eher ein Slogan als Realität.