Überqueren auf eigene Gefahr – Warum ausländische Bewohner Thailands Fußgängersicherheit kritisieren

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Verkehr, Motorräder, Baht-Busse und Fußgänger teilen sich den engen Raum auf der Soi Buakhao – ein Bild, das nach Ansicht ausländischer Bewohner die tiefer liegenden Probleme der Verkehrssicherheit in Thailand widerspiegelt, wo Fußgängerüberwege existieren, aber Bildung, Kontrolle und Konsequenzen häufig fehlen. (Foto: Jetsada Homklin)

PATTAYA, Thailand – Fußgängerüberwege werden in vielen Teilen Thailands weiterhin von Autofahrern ignoriert. Ausländische Touristen und Langzeitresidenten sehen darin ein tiefer liegendes, strukturelles Problem, das ihrer Ansicht nach auf unzureichende Verkehrsausbildung und mangelnde Durchsetzung bestehender Regeln zurückzuführen ist.

Nach Einschätzung vieler ausländischer Bewohner handelt es sich nicht nur um das Verhalten einzelner rücksichtsloser Fahrer, sondern um ein System, in dem grundlegende Verkehrsregeln häufig unbekannt sind und Verstöße selten Konsequenzen haben. Zebrastreifen würden vielerorts eher als Straßenmarkierung denn als verpflichtender Haltepunkt wahrgenommen.



Zwei zentrale Probleme werden immer wieder genannt. Zum einen die Fahrerausbildung: Viele Ausländer berichten, dass Fahrprüfungen und Schulungen reale Verkehrssituationen nur unzureichend behandeln. Themen wie Vorrang für Fußgänger, sichere Abstände oder die Bedeutung von Fußgängerüberwegen würden oft nicht ausreichend vermittelt. Einige weisen zudem darauf hin, dass viele Verkehrsteilnehmer nie eine formale Fahrschule besucht hätten, was zu Wissenslücken bei grundlegenden Verkehrsregeln führe.

Das zweite Problem sei die fehlende Kontrolle. Nach Angaben von Bewohnern seien Polizeikontrollen an Fußgängerüberwegen oder größeren Kreuzungen selten. Fahrzeuge und Motorräder könnten daher häufig rote Ampeln oder Zebrastreifen ignorieren, ohne mit Strafen rechnen zu müssen. Während Helmkontrollen regelmäßig durchgeführt würden, blieben Verstöße, die Fußgänger unmittelbar gefährden, oft unbeachtet.


Besonders Motorräder werden von vielen als größtes Risiko angesehen. Beobachter berichten, dass Motorroller häufig selbst dann weiterfahren, wenn Fußgänger bereits die Straße überqueren, was zu täglichen Beinahe-Unfällen führe. „Man sieht es jeden Tag“, sagte ein langjähriger Besucher. „Motorräder halten einfach nicht an.“

Viele ausländische Bewohner sind überzeugt, dass sich die Situation nur durch sichtbare und konsequente Durchsetzung der Regeln verbessern lässt. Vorgeschlagen werden unter anderem verstärkte Polizeipräsenz an stark frequentierten Übergängen, insbesondere zu Stoßzeiten, höhere Geldstrafen sowie das zeitweise Einziehen von Fahrzeugen, die Fußgängerüberwege oder Ampelsignale missachten. Dabei müsse die Durchsetzung gleichermaßen für thailändische wie ausländische Fahrer gelten, um glaubwürdig zu sein.


Neben Kontrollen wird auch Aufklärung als entscheidend angesehen. Diskutiert werden landesweite Informationskampagnen, die Bedeutung von Fußgängerüberwegen, rechtliche Verpflichtungen und mögliche Strafen verständlich erklären – etwa durch leicht zugängliche, visuell aufbereitete Inhalte, die Erwachsene ebenso wie Kinder erreichen.

„Ohne echte Konsequenzen ändert sich nichts“, sagte ein Bewohner. „Erst wenn Aufklärung und Durchsetzung zusammenkommen, kann sich auch die Einstellung ändern.“

Für viele ausländische Besucher und Langzeitresidenten bleibt die Schlussfolgerung klar: Fußgängerüberwege allein schaffen keine Sicherheit. Ohne Wissen, Kontrolle und Verantwortlichkeit bleiben sie oft nicht mehr als weiße Streifen auf Asphalt.