
PATTAYA, Thailand – Der Anblick einer Löwentanzgruppe auf Pattayas Straßen wirkt auf den ersten Blick festlich. Für viele Anwohner und Geschäftsinhaber ist er jedoch längst zum Symbol eines tieferliegenden Problems geworden: schwache Durchsetzung von Vorschriften und ein Kreislauf wiederholter Verstöße, der scheinbar kein Ende nimmt.
Am 9. Januar nahmen Beamte der Stadtverwaltung Pattaya eine nicht genehmigte Löwentanzgruppe fest, die entlang der Pattaya Second Road Geld von Passanten und Geschäften sammelte. Die Gruppe wurde zum städtischen Ordnungszentrum gebracht und wegen fehlender Genehmigung mit einer Geldstrafe belegt.
Doch für viele Einheimische liegt die eigentliche Geschichte nicht in der Festnahme – sondern in ihrer Wiederholung.
In sozialen Medien äußerten zahlreiche Anwohner ihren Frust und wiesen darauf hin, dass dieselben Gruppen immer wieder auftauchen, oft schon wenige Tage später. „Man bestraft sie – und sie kommen zurück“, hieß es in einem Kommentar. Andere beschrieben einen vorhersehbaren Ablauf: festnehmen, bestrafen, freilassen – und wieder von vorn.
Mehrere Bewohner berichteten, seit Neujahr beinahe täglich Löwentanzgruppen in verschiedenen Stadtteilen gesehen zu haben, darunter Südpattaya, Third Road, Khao Noi sowie entlang von Straßenrestaurants und kleinen Geschäften. Einige schilderten, wie sie beim Trommeln in Küchen oder Schlafzimmer flüchteten, andere berichteten von hartnäckigem Klopfen an verschlossenen Türen oder verängstigten Haustieren.
Ein Geschäftsinhaber erzählte, er habe beobachtet, wie die Gruppe nach der Geldstrafe an seinem Laden vorbeiging, später das eingesammelte Geld aufteilte und anschließend einen Convenience Store betrat. „Sie wirkten überhaupt nicht beschämt“, hieß es in dem Kommentar. „Oder sie haben uns einfach nicht wiedererkannt.“
Zugleich wurden Fragen zur Gleichbehandlung und Konsequenz der Maßnahmen laut. Mehrere Kommentatoren fragten, worin sich diese umherziehenden Auftritte von Straßenmusikern unterscheide – ob das Problem in der Geldsammlung, dem fehlenden festen Standort oder schlicht in der mangelnden Möglichkeit der Behörden liege, Wiederholungstäter dauerhaft zu erfassen.
Was viele Anwohner besonders beunruhigt, ist das Gefühl fehlender Abschreckung. „Nach zwei oder drei Tagen sind sie wieder da“, schrieb ein Nutzer. „Jede Woche. In jedem Viertel. Jeden Tag.“ Ein anderer brachte es auf den Punkt: „Das ist ein großes Problem in Pattaya.“
Der Vorfall macht ein grundlegendes Dilemma der Stadt deutlich: den Balanceakt zwischen öffentlicher Ordnung, kulturellem Ausdruck und wirtschaftlicher Not – ohne dabei illegale Aktivitäten zur Normalität werden zu lassen. Wenn Geldstrafen lediglich als kalkulierbare Betriebskosten wahrgenommen werden, verliert die Durchsetzung von Regeln ihre Glaubwürdigkeit.
Für eine Stadt, die bereits mit Fragen zu Sicherheit, Image und Regulierung ringt, wirft die ständige Rückkehr unerlaubter Straßensammlungen eine unbequeme Frage auf: Wenn Regeln nur kurzfristig durchgesetzt werden, werden sie dann überhaupt durchgesetzt?
Solange Strafen nicht verschärft oder klarere und konsequent angewandte Richtlinien eingeführt werden, sind viele Anwohner überzeugt, dass Pattaya dieselben „Löwen“ weiterhin sehen wird – nicht als Zeichen von Feierlichkeit, sondern als Erinnerung an ein System, das in einer Endlosschleife feststeckt.









