Pattayas wandelnde Barszene macht das Allein-Trinken für den Geldbeutel attraktiver

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Barangestellte sitzen vor einer Open-Air-Bar in Pattayas Soi 6 und halten Ausschau nach vorbeikommenden ausländischen Gästen, während die Debatte über Handys, Preise und veränderte Einstellungen im Nachtleben anhält. (Foto: Jetsada Homklin)

PATTAYA, Thailand – Während in Pattaya über steigende Preise und eine veränderte Barkultur diskutiert wird, sorgt kaum ein Thema für so viel Emotion wie der unscheinbare „Lady Drink“. Eine aktuelle Welle von Leserkommentaren zeigt eine wachsende Kluft zwischen den Erwartungen vieler Touristen und den Realitäten für Barangestellte – mit Smartphones, Provisionen und veränderten Einstellungen im Fokus der Kritik.



Viele Leser beklagen, dass Mobiltelefone die Atmosphäre in den Bars verändert haben, besonders in belebten Straßen wie der Soi 6. Wo früher Trinkspiele, schnelle Scherze und ständige Interaktion den Ton angaben, verbringen einige Mitarbeiterinnen heute – so der Vorwurf – mehr Zeit am Bildschirm als mit den Gästen. Forderungen nach einem kompletten Handyverbot, teils sogar mit Schließfächern hinter der Bar, sind häufig zu lesen. Auch Mamasans stehen in der Kritik, weil sie Hausregeln angeblich nicht konsequent durchsetzen.

Andere Kommentatoren halten diese Frustration für fehlgeleitet. Ein Lady Drink habe nichts mit Alkohol zu tun, sondern mit Provision und Zeit. „Man bezahlt für Aufmerksamkeit, nicht für den Inhalt des Glases“, schrieb ein Leser und mahnte, die Fixierung auf das Getränk selbst aufzugeben. Wer nur das Minimum investiere, bekomme auch nur minimale Aufmerksamkeit – auf beiden Seiten der Theke.

Langjährige Besucher blicken nostalgisch auf die frühen 2010er-Jahre zurück, eine Zeit vor der Dominanz von Smartphones im Nachtleben. Erinnerungen an Connect-4-Spiele, Bingo, spontanes Tanzen und spielerischen Schlagabtausch zeichnen das Bild einer interaktiveren, unbeschwerten Ära. Im Vergleich dazu wirke das heutige Erlebnis oft transaktional – mit höheren Preisen und weniger Engagement.

Hinzu kommt eine breitere wirtschaftliche Dimension. Steigende Preise für Lady Drinks, Konkurrenz durch neue Reiseziele wie Vietnam und veränderte Touristenströme werden als Gründe genannt, warum sich Pattayas Barszene anders anfühlt. Wie es ein Kommentator nüchtern zusammenfasste: „Es wird immer jemanden geben, der diese Preise zahlt – nur vielleicht nicht dich.“

Am Ende kommen einige Leser zu dem Schluss, dass nicht die Bars, sondern die Erwartungen das eigentliche Problem sind. Wenn Aufmerksamkeit teurer wird und Interaktion erzwungen wirkt, ist ein ruhiges Bier allein womöglich das bessere Angebot. Oder, wie es ein Kommentar schlicht ausdrückte: Der Geldbeutel ist glücklicher, wenn man allein trinkt.