Pattaya nach der Hochsaison steigende Preise vertreiben die Besucher

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Gruppen von Bar-Mitarbeiterinnen warten vor Lokalen in Pattayas Soi 6 auf Gäste, während die Hochsaison abklingt – ein Bild für eine Nachtwirtschaft im Spannungsfeld zwischen steigenden Preisen und schrumpfenden Besucherzahlen. (Foto: Jetsada Homklin)

PATTAYA, Thailand – Wenn die Hochsaison abklingt und der Januar in den Februar übergeht, steht Pattaya traditionell vor einer Bewährungsprobe. Die Menschenmengen werden kleiner, das schnelle Geld versiegt, und viele Betriebe zeigen, ob sie auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind – oder lediglich bis zur nächsten Spitzenzeit überleben. In diesem Jahr fällt diese Prüfung spürbar härter aus als sonst.

Schnell wird der starke Baht als Hauptursache genannt. Doch hört man genauer hin, ergibt sich ein anderes Bild. Für immer mehr Stammgäste ist nicht die Währung der entscheidende Faktor, sondern das Gefühl für Wert, Haltung und Vertrauen.



Bars, die bei sinkender Kundenzahl ihre Preise erhöhen, mögen auf dem Papier logisch erscheinen. In der Praxis wirkt es wie wirtschaftlicher Selbstschaden. Ein langjähriger Besucher brachte es auf den Punkt: „Ohne Gäste fallen die Preise. Hier versucht man, Verluste durch höhere Preise auszugleichen. Das ist absurd – und es schadet dem Ort.“ In ganz Pattaya wiederholen sich ähnliche Geschichten. Bierpreise nähern sich westlichem Niveau. Lady-Drinks steigen schneller als die Besucherzahlen. Barfines klettern innerhalb eines Jahres von 500 auf 800 Baht, oft begleitet von aufdringlichem Verkauf, der jede Leichtigkeit erstickt. Die Gäste sind nicht wütend, weil sie zahlen müssen – sondern weil sie sich ausgepresst fühlen.

Hohe Mieten verschärfen die Lage zusätzlich. Viele Barbetreiber sitzen in teuren Pachtverträgen fest, die in besseren Zeiten abgeschlossen wurden. Statt sich anzupassen, gehen manche auf Konfrontationskurs. Die Folgen sind sichtbar: leere Barhocker, kleinere Gruppen von Bar-Mitarbeiterinnen und immer mehr „Bar zu verkaufen“-Schilder, kaum dass die Hochsaison endet.


Auffällig ist zudem, dass das Problem längst nicht mehr nur Pattaya betrifft. Berichte über Übervorteilung kommen inzwischen aus Märkten, Nagelstudios, Taxis und Hotels in ganz Thailand. Preise, die sich mitten in der Transaktion ändern. Zusätzliche „Reinigungsgebühren“. Unterschiedliche Tarife für Einheimische und Ausländer. Solche Erfahrungen hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack – und dieser reist mit.

Ein Teil der Besucher reagiert konsequent. Kambodscha. Vietnam. Die Philippinen. Oder gleich zurück nach Hause. „Für das gleiche Geld bekommt man inzwischen denselben Service in Großbritannien – warum also fliegen?“, lautet ein häufig zitierter Kommentar. Andere sagen, sie seien durchaus bereit, 100 Baht für ein Bier zu zahlen – aber nur, wenn die Atmosphäre stimmt, der Service entspannt ist und niemand Druck ausübt.

Hinzu kommt eine tiefere Müdigkeit. Vertraute Bars sind verschwunden, bekannte Straßenzüge haben sich verändert. Die einst ungezwungene Leichtigkeit wurde durch Kalkulation ersetzt – auf beiden Seiten der Theke.