
PATTAYA, Thailand – Während Thailands staatliche Planer ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 2,0 Prozent anheben, stellt sich für Pattaya weniger die Frage, ob sich die Wirtschaft erholt – sondern vielmehr, ob diese Erholung tatsächlich in den tourismusabhängigen Straßen, Hotels und Unterhaltungslokalen der Stadt spürbar ankommt.
Die revidierte Prognose des National Economic and Social Development Council (NESDC) basiert vor allem auf einer Erholung der Exporte, einem Wachstum im Bausektor sowie steigenden internationalen Ankünften. Für Pattaya, wo der Tourismus nicht nur ein Wirtschaftszweig, sondern das wirtschaftliche Rückgrat ist, ruhen die Hoffnungen erneut auf wachsenden Besucherzahlen – weniger auf Binnenkonsum oder industrieller Expansion.
Thailand strebt für 2026 rund 35 Millionen ausländische Ankünfte an, mit geschätzten Tourismuseinnahmen von 1,65 Billionen Baht. Auf dem Papier klingt das nach guten Nachrichten für Pattaya, das sich weiterhin als leicht erreichbares Seebad positioniert.
Vor Ort jedoch bleiben viele Betreiber vorsichtig. Zwar hat sich der Besucherstrom in Bereichen wie Walking Street, Jomtien und Central Pattaya deutlich erholt, doch das Ausgabeverhalten hat sich verändert. Gäste bleiben kürzer, kalkulieren strenger und meiden jene freiwilligen Ausgaben, die früher Nachtleben, Ausflüge und Einzelhandel belebten.
Dies spiegelt einen landesweiten Trend wider: Die Rückkehr der Touristen bedeutet nicht automatisch die Rückkehr hoher Pro-Kopf-Ausgaben. Billigfluglinien, Kurzstreckenreisen und preisorientiertes Reisen dominieren den Post-Pandemie-Tourismus – gut für die Menge, aber nicht unbedingt für die Margen.
Ein stärkerer Baht ist aus makroökonomischer Sicht positiv, bleibt für Pattaya jedoch ein zweischneidiges Schwert. Für Langzeiturlauber und Stammgäste – insbesondere aus Europa und Australien – wirkt sich der Wechselkurs direkt auf die tägliche Kaufkraft aus. Geschäftsinhaber berichten, dass Besucher zwar kommen, aber weniger konsumieren, sparsamer einkaufen und intensiver verhandeln. In einer Stadt, die stark auf diskretionäre Freizeit-Ausgaben angewiesen ist, wiegt das schwerer als bloße Ankunftszahlen.
Zugleich warnt das NESDC, dass die hohe private Verschuldung den Inlandskonsum weiterhin bremst. Für Pattaya ist das besonders relevant, da thailändische Wochenendgäste aus Bangkok früher eine stabilisierende Rolle in der Nebensaison spielten. Heute dominieren Tagesausflüge und kurze Aufenthalte – mit entsprechend geringerer Wertschöpfung.
Langfristig könnte Pattaya von Infrastrukturprojekten im Eastern Economic Corridor profitieren, insbesondere durch verbesserte Verkehrsverbindungen nach Bangkok und in benachbarte Provinzen. Doch diese Effekte wirken schrittweise.
Hinzu kommt die politische Komponente: Die Planer hoffen auf eine neue Koalitionsregierung bis April, damit Konjunkturmaßnahmen ab Oktober greifen können. Verzögerte Haushalte bedeuten für Pattaya oft verspätete Investitionen in Strandmanagement, öffentliche Sicherheit, Veranstaltungen und Tourismuswerbung – entscheidende Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit.
Auch globale Entwicklungen werfen Schatten. Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus der EU mag den Tourismus nicht direkt betreffen, beeinflusst jedoch Exporte, Beschäftigung und Investorenvertrauen – und damit indirekt die Geldströme in Dienstleistungszentren wie Pattaya.
Pattaya kann aus dem verbesserten makroökonomischen Ausblick Zuversicht schöpfen, doch ein Wachstum von 2,0 Prozent ist kein Wendepunkt. Die Erholung ist real, aber schmal – getragen von externer Nachfrage und Besucherzahlen, nicht von neuer Konsumfreude.
Für Pattaya liegt der Weg nach vorn wohl weniger im Hoffen auf „durchsickerndes“ Wachstum, sondern im Anpassen: gezielte Ansprache zahlungskräftiger Nischen, Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur sowie die Erkenntnis, dass die Ära des mühelosen Tourismus-Booms vorerst nicht zurückkehrt. Kurz gesagt: Pattaya darf hoffen – aber es kann es sich nicht leisten, allein auf Hoffnung zu setzen.









