Thailand verstärkt Alkoholkontrollen – Taxi-Abzocke und Betrug bleiben unbeachtet

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Taxireihen am Bus- und Verkehrsterminal Mo Chit 2 in Bangkok – während Fragen zu fairer Preisgestaltung, Doppelabrechnungen und wirksamer Aufsicht über die Taxiindustrie im Schatten der Neujahrs-Verkehrskontrollen bestehen bleiben.

PATTAYA, Thailand – Zum Jahreswechsel verweisen die thailändischen Behörden erneut auf verstärkte Polizeikontrollen und Checkpoints zur Eindämmung von Trunkenheit am Steuer – eine notwendige und lebensrettende Maßnahme. Während diese Sicherheitsdurchsetzung Schlagzeilen macht, bleibt jedoch ein ebenso hartnäckiges und zersetzendes Problem in der thailändischen Taxiindustrie weitgehend ungelöst: weit verbreiteter Tarifbetrug, doppelte Preisgestaltung für Ausländer und eine Servicekultur, die das Vertrauen in einen der sichtbarsten Verkehrszweige des Landes untergräbt.



Dass Alkohol am Steuer gefährlich ist, steht außer Frage. Die verschärften Kontrollen an Silvester und während der Feiertage zeigen, dass Polizei und Verkehrsbehörden durchaus entschlossen handeln können, wenn es um unmittelbare öffentliche Sicherheit geht. Für Einwohner wie Besucher wirkt diese Konsequenz jedoch hohl, solange sie mit einer Branche koexistiert, in der opportunistisches Verhalten kaum geahndet wird.

Wer an einem großen Verkehrsknotenpunkt ankommt – Bangkoks Flughäfen, Pattayas Walking Street oder Bangkoks Khao San Road – hört immer wieder dieselben Klagen von Touristen und Einheimischen. Taxis, die den Taxameter verweigern. Fahrer, die Pauschalpreise verlangen, die ein Vielfaches des regulären Tarifs betragen. Ausländische Fahrgäste, denen ein Preis genannt und am Ende ein anderer berechnet wird. Kurze Strecken, die mehr kosten als lange – ohne Logik, außer der Gewinnmaximierung. Diese Praktiken sind keine Einzelfälle, sondern systemisch und untergraben sowohl die Sicherheitsbotschaft als auch das touristische Image Thailands.


Der Alltag vieler Besucher sieht so aus: Nach einem langen Flug landet ein erschöpfter, ortsunkundiger Tourist. Ein Taxifahrer weigert sich, den Taxameter einzuschalten, und fordert einen hohen Festpreis. Stimmt der Fahrgast zu, zahlt er deutlich zu viel; lehnt er ab, drohen lange Wartezeiten oder Ignoriertwerden. Das ist kein Ausnahmephänomen, sondern ein Muster, das in Reise­foren, sozialen Medien und zunehmend auch unter langjährigen Ausländern im Land offen diskutiert wird. Diese „Doppelpreisstrategie“ macht selbst die einfachste Fahrt zu einer Verhandlung statt zu einer Dienstleistung.

Hinzu kommt, dass es kaum Anzeichen dafür gibt, dass Taxiunternehmer für Betrug oder Übervorteilung ernsthaft zur Rechenschaft gezogen werden. Die Polizei kann betrunkene Fahrer aus dem Verkehr ziehen – doch wer kontrolliert die Taxifahrer, die schutzbedürftige Fahrgäste ausnutzen? Warum konzentriert sich die Durchsetzung auf individuelle Sicherheitsvorschriften, während irreführende Geschäftspraktiken, die Vertrauen zerstören, oft ignoriert werden?


Das Problem beschränkt sich längst nicht auf Flughäfen oder touristische Hotspots. Auch Einheimische beklagen Taxifahrer, die den Taxameter an Ampeln laufen lassen, Umwege fahren, um höhere Fahrpreise zu erzielen, oder kurze Strecken schlicht ablehnen. Gleichzeitig gewinnen Ride-Hailing-Plattformen gerade deshalb an Beliebtheit, weil sie transparente Preise und Nachvollziehbarkeit bieten – Eigenschaften, die im traditionellen Taxisystem schmerzlich fehlen.

Wie bei vielen regulatorischen Grauzonen in Thailand entsteht so eine Mischung aus kurzfristigen Maßnahmen und langfristiger Frustration. Die Bekämpfung von Trunkenheit am Steuer sendet ein wichtiges Signal für die Verkehrssicherheit. Das Ausbleiben entschlossener Schritte gegen weitverbreiteten Tarifbetrug sendet jedoch eine ebenso deutliche Botschaft: Bestimmte Formen der Ausbeutung von Verbrauchern werden toleriert, solange sie keinen unmittelbaren körperlichen Schaden verursachen.

Will Thailand seine Standards im Tourismus und in der urbanen Mobilität anheben, müssen die Behörden ihren Blick weiten. Regulierung darf nicht selektiv sein. Der Kampf gegen Alkohol am Steuer ist unverzichtbar – ebenso unverzichtbar sind faire Preise, konsequente Nutzung des Taxameters und spürbare Konsequenzen für Fahrer, die Fahrgäste betrügen. Ohne diesen doppelten Ansatz wird die Taxiindustrie weiterhin eher Frust als Vertrauen erzeugen, und die einfache Taxifahrt bleibt von der Sorge überschattet, übervorteilt zu werden oder um einen fairen Preis kämpfen zu müssen.