Wie Thailands Straßen und Fahrgewohnheiten ausländische Touristen heimsuchen

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Das Wrack eines Passagier-Vans liegt abseits der Fernstraße 304 in Wang Nam Khiao, Provinz Nakhon Ratchasima. Berichten zufolge schlief der Fahrer in einer Gefällkurve ein. Zwei Menschen kamen ums Leben, vierzehn wurden verletzt.

PATTAYA, Thailand – Für viele ausländische Touristen ist die größte Reiseangst in Thailand weder Kriminalität noch Krankheit oder Betrug – sondern der Straßenverkehr. Trotz des Images eines entspannten Urlaubsparadieses zählt Thailand seit Jahren zu den Ländern mit den weltweit höchsten Verkehrstotenraten. Lange Nachtfahrten, übermüdete Fahrer, locker regulierte Kleinbusse und gefährliche Bergstraßen ergeben einen Risikomix, den Besucher oft erst erkennen, wenn es zu spät ist.



Der Unfall von Wang Nam Khiao am 5. Januar ist dafür ein Lehrbuchbeispiel. Ein nicht planmäßig verkehrender Passagier-Van verließ Pattaya noch vor Tagesanbruch, legte mehr als 200 Kilometer zurück, machte nur einen kurzen Halt und setzte die Fahrt anschließend auf eine der berüchtigtsten Gefällstrecken der Fernstraße 304 fort. Später räumte der Fahrer ein, am Steuer eingeschlafen zu sein. Zwei Passagiere kamen ums Leben, vierzehn weitere wurden verletzt.

Für ausländische Touristen ist ein solcher Vorfall besonders verstörend – weil er nicht wie ein Ausnahmefall wirkt, sondern wie ein strukturelles Problem. Viele Besucher gehen davon aus, dass kommerzielle Fahrer streng reguliert, ausreichend ausgeruht und professionell überwacht werden. Die Realität sieht jedoch oft anders aus: Nicht planmäßige Vans operieren häufig in einer Grauzone – mit langen Arbeitszeiten, Bezahlung nach Fahrgastzahlen, kaum kontrollierten Ruhezeiten und Routen, die durch einige der gefährlichsten Regionen des Landes führen.


Bergstraßen wie die Highway 304, insbesondere im Raum Wang Nam Khiao, gelten selbst unter Einheimischen als berüchtigt. Enge Abfahrtskurven, hohes Tempo, Schwerlastverkehr und Müdigkeit verbinden sich dort zu einem tödlichen Muster. Zwar gibt es Warnschilder, doch Geschwindigkeitskontrollen, konsequente Durchsetzung der Regeln und Überprüfungen der Fahrerermüdung bleiben unzureichend.

Für viele Ausländer – vor allem Erstbesucher – kommt die Erkenntnis spät: Der gefährlichste Teil eines Thailand-Urlaubs ist nicht das Nachtleben oder der Abenteuersport, sondern der Weg zwischen den Reisezielen. Solange Arbeitszeiten von Fahrern nicht strikt durchgesetzt, gefährliche Strecken nicht neu gestaltet und der Van-Verkehr nicht konsequent reguliert wird, wird die hohe Zahl der Verkehrstoten Thailand weiter verfolgen – nicht nur die Einheimischen, sondern auch die Touristen, die dem System ihr Leben anvertrauen.