Walking Street verliert Glanz: Verärgerte Touristen kritisieren Pattayas Ausgehmeile

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Stadtverantwortliche von Pattaya beraten über eine neue Strategie zur Wiederbelebung der Walking Street, während Kritik über steigende Preise, aggressive Anwerber und den veränderten Charakter der Straße zunimmt.

PATTAYA, Thailand – Einst das pulsierende Herz der thailändischen Partyszene, sieht sich die Walking Street nun mit massiver Kritik konfrontiert. Ausländische Touristen wie auch Langzeitbesucher äußern online offen Zweifel daran, ob die ikonische Straße überhaupt „gerettet“ werden kann – oder ob sie es überhaupt noch sollte.

Zwar haben Stadtverantwortliche jüngst einen dringenden Maßnahmenplan angekündigt, doch die Reaktionen der Reisenden fallen deutlich aus. „Gerettet wovon – oder sollte ich sagen: von wem?“, fragte ein Kommentator und leitete damit eine Flut von Beiträgen ein, die von einer dramatischen Veränderung der Atmosphäre, Identität und Preis-Leistungs-Wahrnehmung sprechen.



Eine Straße verliert ihre Seele

Eine der am häufigsten geäußerten Klagen lautet, dass die Walking Street sich nicht mehr wie Pattaya anfühlt. Viele Touristen sagen, die Straße werde zunehmend von nur einer Nationalität und einem einzigen Clubstil geprägt, wodurch die einst internationale Mischung verschwunden sei.

„Das ist nicht mehr Pattaya – das ist Indien“, schrieb ein Besucher. Andere berichteten, sie hätten nach wenigen hundert Metern kehrtgemacht, weil die Stimmung vollkommen anders sei als früher. Begriffe wie „Little India“, „India Street“ oder „Mumbai Village“ tauchten häufig auf, verbunden mit dem Gefühl, dass der Wandel zu weit gegangen sei, um den früheren, vielfältigen Charakter zurückzubringen.


„Eine tote Ente“

Viele ehemalige Fans der Straße sehen die Probleme tieferliegend als nur in der wechselnden Besucherstruktur. Kritisiert werden hohe Preise, monotone Clubangebote, aggressive Anwerber, überlagernde Musik und ein Mangel an Ordnung. Alles zusammen erwecke eher den Eindruck von Chaos als von lebhafter Partystimmung.

„Ich habe es jahrelang geliebt“, schrieb ein Langzeitbesucher. „War seit drei Jahren nicht mehr dort.“ Andere bezeichneten die Walking Street schlicht als „tote Ente“ oder als „etwas, das schon lange gestorben ist“.


Kosmetische Lösungen helfen nicht

Als die Stadt ihren neuen Rettungsplan vorstellte, stellten Touristen dessen Wirksamkeit infrage. „Gehört zu diesem Plan auch, die Preise zu senken?“, fragte ein Nutzer. Andere machten sich über frühere Maßnahmen lustig: „Ich dachte, das neue Schild sei die endgültige Lösung?“

Auch die seit Jahren verzögerten Abrisse alter, illegaler Gebäude entlang der Strandseite gelten vielen als Symbol ungelöster Probleme. Die halb abgerissenen Konstruktionen stünden sinnbildlich für eine Straße, die man habe verfallen lassen.

Besucher fordern Taten, keine PR

Obwohl die Behörden betonen, die Walking Street könne wiederbelebt werden, sehen es viele Besucher anders. Einige sind überzeugt, dass die Zukunft des Nachtlebens eher in Gegenden wie der Soi Buakhao liegt, die heute bereits vielfältiger und lebendiger wirke. Andere sagen, die Stadt brauche weder Taskforce noch Strategiepapier – nur Verantwortliche, die tatsächlich beobachten, was die Menschen vertreibt.

„Sie müssen nur einmal selbst durch die Straße laufen“, schrieb ein Tourist. Ein anderer kommentierte: „Die Tourismuseinnahmen sind dieses Jahr stark gesunken – jetzt wissen sie auch, warum.“



Wie geht es weiter?

Trotz hoher Touristenzahlen in Thailand empfinden viele Reisende die Walking Street nicht mehr als den internationalen, wilden, aber sicheren Hotspot, der sie einst weltberühmt machte. „Ich würde mich da heute nicht mal tot sehen lassen“, sagte ein Besucher. Ein anderer kommentierte trocken: „Wenn man etwas tötet, bleibt es tot.“

Mit wachsender Kritik steht Pattaya vor einer schwierigen Aufgabe: nicht nur die Walking Street wiederzubeleben, sondern den Menschen zuzuhören, die offen erklären, warum sie scheitert.