
PATTAYA, Thailand – Eine Welle offener, oft frustrierter Leserkommentare in der Pattaya Mail hat eine altbekannte Frage neu entfacht: Vertreibt Pattaya seine traditionellen westlichen Besucher bewusst – oder unbewusst?
Langjährige Einwohner und Stammgäste sprechen von einem spürbaren Niedergang der Stadt. Sie verweisen auf stark gestiegene Preise, Umweltprobleme und ein Nachtleben, das ihrer Ansicht nach kaum noch Gegenwert bietet. Die Kritik reicht von unangenehmen Gerüchen in zentralen Ausgehvierteln und rücksichtsloser Motorradfahrweise bis hin zu einer als unkontrolliert empfundenen Preisexplosion – bei Barstrafen, Getränken und bezahlter Gesellschaft, die heute deutlich mehr kosten sollen als früher, bei gleichzeitig sinkender Zufriedenheit.
Mehrere Kommentatoren, die nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten in Pattaya leben, sagen, die Stadt habe kaum noch Ähnlichkeit mit dem Pattaya der 1990er-Jahre. Westliche Touristen aus Europa, Australien und den USA würden weniger Zeit hier verbringen oder Pattaya ganz meiden – verdrängt durch höhere Kosten und das Gefühl, dass sich die Stadt nicht mehr an sie richtet.
Ein immer wiederkehrendes Stichwort ist „Gier“. Leser argumentieren, dass manche Geschäftsbetreiber bei sinkenden Besucherzahlen die Preise erhöhen, statt sie zu senken – eine Strategie, die sie für kontraproduktiv halten. Preisnachlässe würden vermieden, weil sie als Gesichtsverlust gelten, selbst wenn sie Gäste zurückbringen könnten.
Andere verweisen auf strukturelle Veränderungen im Nachtleben. Viele jüngere und attraktivere Freelancer hätten Bars verlassen und seien auf soziale Medien, private Messenger oder geschlossene Buchungsnetzwerke ausgewichen. Was in den traditionellen Lokalen verbleibe, so die Kritik, könne die aufgerufenen Premiumpreise kaum rechtfertigen.
Unter der Wut liegt zudem die Wahrnehmung – ob berechtigt oder nicht –, dass Pattaya sich gezielt sogenannten „qualitativ hochwertigeren“ Touristen aus anderen Regionen zuwendet. Langjährige westliche Besucher fühlten sich dadurch zunehmend unerwünscht und austauschbar. Stadtverwaltung und Tourismusbehörden betonen hingegen weiterhin Diversifizierung und Nachhaltigkeit und erklären, Pattaya müsse sich von seinem alten Image lösen.
Ob diese Entwicklung eine kluge Anpassung oder eine langsam selbst zugefügte Wunde ist, hängt vom Blickwinkel ab. Klar ist jedoch: Die Nostalgie ist groß, die Unzufriedenheit wächst, und viele Pattaya-Veteranen erkennen die Stadt, die sie einst als zweite Heimat betrachteten, kaum noch wieder.









