
PATTAYA, Thailand – Die thailändische Regierung beschleunigt die Pläne für das seit Langem verzögerte Großprojekt einer Landbrücke, das als strategische Alternative zu einigen der weltweit am stärksten belasteten und anfälligen Seehandelsrouten positioniert wird.
Der stellvertretende Ministerpräsident und Verkehrsminister Phiphat Ratchakitprakarn erklärte am 29. April, dass das nahezu eine Billion Baht umfassende Vorhaben zügig zur Entscheidung ins Kabinett eingebracht werden soll, voraussichtlich zwischen Juni und Juli. Ziel ist es, den Golf von Thailand mit der Andamanensee über einen neuen Logistikkorridor im Rahmen des Südlichen Wirtschaftskorridors zu verbinden.
Strategischer Vorstoß in unsicheren Zeiten
Der neue Schwung für das Projekt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen im Nahen Osten, die wichtige Schifffahrtsrouten beeinträchtigen. Risiken im Bereich der Straße von Hormus sowie im Roten Meer erhöhen die Unsicherheit, während die Straße von Malakka weiterhin stark ausgelastet und geografisch begrenzt ist.
Nach Ansicht von Phiphat verdeutlichen diese Entwicklungen die Risiken einer einseitigen Abhängigkeit von einzelnen Seewegen und stärken die Argumente für die thailändische Landbrücke als alternative Route. Jahrzehntelange Diskussionen über vergleichbare Projekte hätten bislang keine Ergebnisse gebracht, nun biete sich eine einmalige Gelegenheit zur Umsetzung.
Gesetz zum Wirtschaftskorridor als Schlüssel
Ein entscheidender Schritt ist die Verabschiedung eines Gesetzes für den Südlichen Wirtschaftskorridor, das eine zentrale Verwaltungsstruktur für die Entwicklung in den Provinzen Chumphon, Ranong, Surat Thani und Nakhon Si Thammarat schaffen soll.
Nach Angaben der zuständigen Planungsbehörde sind Gespräche mit dem Finanzministerium im Mai vorgesehen, um die Ausgestaltung eines speziellen Fonds festzulegen. Dieser soll überwiegend durch private Investoren finanziert werden und nicht durch staatliche Haushaltsmittel. Nach Zustimmung des Kabinetts wird der Gesetzentwurf dem Parlament vorgelegt.

Umfassendes Infrastrukturprojekt
Das Projekt umfasst zwei Tiefseehäfen an beiden Küsten in Ranong und Chumphon, eine Autobahn sowie eine zweigleisige Eisenbahnverbindung zwischen den beiden Standorten. Ziel ist es, Transportzeiten zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean deutlich zu verkürzen.
Die Eisenbahn wird in Normalspur gebaut, während für Straße und Schiene derzeit Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt werden. Die wichtigsten Studien sollen bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.
Risiken und Verzögerungen bleiben bestehen
Trotz des politischen Drucks bleibt das Vorhaben komplex und anfällig für Verzögerungen. Selbst unter optimalen Bedingungen wird eine Umsetzung in mehreren Bauphasen erwartet, nach Abschluss der Ausschreibungsunterlagen und Investorenverhandlungen.
In den vergangenen vier Jahren wurden bereits mehr als 60 öffentliche Anhörungen durchgeführt. Behörden betonen, dass Umweltauflagen und Maßnahmen zum Schutz der betroffenen Gemeinden zentrale Bestandteile des Projekts bleiben.
Globale Ambitionen mit nationaler Bedeutung
Sollte das Projekt umgesetzt werden, könnte es die regionale Logistik grundlegend verändern, die Abhängigkeit von Engpässen reduzieren und im Inland mehr als 200.000 Arbeitsplätze schaffen.
Gleichzeitig stellen das enorme Investitionsvolumen, rechtliche Hürden und geopolitische Unsicherheiten weiterhin große Herausforderungen dar. Die Regierung setzt darauf, dass die aktuellen globalen Entwicklungen den Durchbruch ermöglichen, der jahrzehntelang ausgeblieben ist.













