
PATTAYA, Thailand – Die indische Zentralbank hat ihre Bestände an US-Staatsanleihen im vergangenen Jahr deutlich reduziert und gleichzeitig ihre Goldreserven erheblich aufgestockt. Dieser Schritt wirft Fragen zu veränderten Strategien im Währungs- und Reservemanagement großer Volkswirtschaften auf.
Wie The Economic Times unter Berufung auf Daten des US-Finanzministeriums berichtet, hielt die Reserve Bank of India (RBI) Ende Oktober 2025 US-Staatsanleihen im Wert von rund 190 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor lag dieser Betrag noch bei 241,4 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang von mehr als 50,7 Milliarden US-Dollar.
Das in Neu-Delhi ansässige Portal OpIndia meldet, dass Indiens Gesamtbestand an US-Staatsanleihen im Jahr 2025 um 21 Prozent gesunken ist. Dies geschah trotz steigender Renditen: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe erhöhte sich im selben Zeitraum von etwa 4 auf rund 4,8 Prozent und hätte diese Papiere unter normalen Umständen attraktiver machen müssen.
Parallel dazu hat Indien seine Goldreserven massiv ausgebaut. Nach Angaben der RBI verfügt das Land inzwischen über rund 880,18 Tonnen Gold, nachdem in den vergangenen Jahren umfangreiche Zukäufe erfolgten. Gold macht aktuell 13,6 Prozent der gesamten indischen Währungsreserven aus, die sich auf etwa 687 Milliarden US-Dollar belaufen – gegenüber 9,3 Prozent im Vorjahr.
Indiens Kurswechsel spiegelt einen breiteren Trend wider. Auch andere Zentralbanken, darunter jene von China, Brasilien und Saudi-Arabien, haben ihre Goldbestände in den vergangenen Quartalen erhöht. Analysten führen dies auf Sorgen über mögliche Schwankungen des US-Dollars sowie auf die steigenden Kosten für den Schuldendienst der USA zurück. Die kumulierten Zinszahlungen könnten in den kommenden Jahren die Marke von 10 Billionen US-Dollar überschreiten.
Nicht alle Länder folgen jedoch diesem Trend. Großbritannien, Japan, Kanada und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Bestände an US-Staatsanleihen im gleichen Zeitraum ausgebaut.
Experten warnen davor, Indiens Vorgehen als Abkehr vom US-Dollar zu interpretieren. Vielmehr handele es sich um eine gezielte Diversifizierung und Neugewichtung der Reserven, nicht um eine grundlegende Abwendung von dollarbasierten Anlagen.









