
PATTAYA, Thailand – Ein Motorradunfall an einer Kreuzung im Zentrum Pattayas in dieser Woche hat erneut ein seit langem bestehendes und gefährliches Problem im Stadtverkehr aufgezeigt: die routinemäßige Missachtung roter Ampeln.
Nach ersten Berichten soll ein einheimischer Motorradfahrer bei Rot über die Ampel gefahren sein und mit einem weiteren Motorrad kollidiert sein, das die Kreuzung ordnungsgemäß überquerte. Mehrere Personen wurden verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Wie so oft folgten in den sozialen Medien schnell Spekulationen – darüber, wer schuld war, ob Alkohol im Spiel gewesen sein könnte und warum Verkehrsregeln für manche Verkehrsteilnehmer offenbar optional sind.
Die anschließenden Kommentare waren hart, sarkastisch und entlarvend:
„Aber ich habe doch gehupt – warum haben die anderen nicht angehalten?“
„Fahr schneller. Ignoriere Ampeln und Schilder. Sicherheit an dritter Stelle.“
„Karma auf zwei Rädern.“
Hinter dem schwarzen Humor verbirgt sich eine ernste Realität: Das Überfahren roter Ampeln ist in Pattaya keine Ausnahme, sondern weitgehend normalisiertes Verhalten.
Dabei gefährdet dieses Verhalten weit mehr als nur den Fahrer, der das Risiko eingeht. Kreuzungen sind gemeinsam genutzte Räume, die täglich von Touristen auf gemieteten Motorrädern, von Fußgängern auf ungewohnten Straßen, von Baht-Bussen mit unvorhersehbaren Stopps sowie von Autofahrern genutzt werden, die – zu Recht – davon ausgehen, dass Grün bedeutet, sicher fahren zu können.
Für Besucher ist die Gefahr besonders groß. Viele Touristen halten sich strikt an die Regeln, gerade weil sie die lokalen Verkehrsgewohnheiten nicht kennen. Wenn ein Fahrer mit hoher Geschwindigkeit bei Rot in die Kreuzung rast, zahlen oft die regelkonformen Verkehrsteilnehmer den Preis.
Der öffentliche Frust verweist zudem auf ein tiefer liegendes Problem: mangelnde Durchsetzung der Verkehrsregeln. Anwohner fragen offen, wie viele Rotlichtverstöße in den vergangenen zehn Jahren tatsächlich zu Strafzetteln geführt haben. Ob übertrieben oder nicht – die Wahrnehmung bleibt, dass das Überfahren roter Ampeln kaum Konsequenzen hat, bis jemand verletzt oder getötet wird. Ohne konsequente Kontrolle werden Ampeln zu Empfehlungen statt zu verbindlichen Regeln.
Einige Kommentatoren deuteten den Unfall als Frage von Schicksal, Glück oder religiösem Schutz – mit spöttischen Bemerkungen, ein Amulett könne vielleicht vor Kugeln schützen, aber nicht vor Verkehrsregeln. So flapsig diese Aussagen sind, sie spiegeln eine verbreitete Denkweise wider, in der Unfälle dem Schicksal zugeschrieben werden statt vermeidbarem Verhalten. Doch Verkehrsunfälle sind keine Akte des Schicksals. Sie sind das Ergebnis von Entscheidungen.
Während Pattaya sich weiterhin als erstklassiges Touristenziel vermarktet, bleibt die Verkehrssicherheit einer der sichtbarsten Widersprüche der Stadt. Das Überfahren roter Ampeln ist gefährlich, illegal und vollständig vermeidbar – dennoch geschieht es täglich, im Blickfeld von Kameras, Polizeiposten und stark frequentierten Kreuzungen. Solange Kontrollen nicht konsequent sind und Konsequenzen ausbleiben, wird die Frage nicht sein, warum Unfälle immer wieder passieren – sondern, wer der Nächste sein wird.









