Ein Drink kauft keinen Menschen – Pattaya-Touristen stellen Lady-Drink-Kultur infrage

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Ein ausländischer Tourist genießt ein ruhiges Bier, während Barangestellte in der Nähe plaudern – eine vertraute Szene in Pattaya, die weiterhin Debatten über Erwartungen, Grenzen und die wahre Bedeutung eines ausgegebenen Drinks auslöst. (Foto: Jetsada Homklin)

PATTAYA, Thailand – Der sogenannte „Lady Drink“, einst als lockerer Eisbrecher im Nachtleben Pattayas betrachtet, ist für Leser der Pattaya Mail zunehmend zum Streitpunkt geworden. Steigende Preise, verschwommene Erwartungen und offene Worte prägen die Debatte. Die zentrale Botschaft ist klar: Der Kauf eines Drinks war nie dafür gedacht, einen Menschen zu kaufen – sondern lediglich ein Gespräch zu ermöglichen.

Leser, von langjährigen Besuchern bis zu Ersttouristen, beschreiben eine Szene, die sich im Kern seit Jahrzehnten kaum verändert hat, heute jedoch schärfer wahrgenommen wird. Viele sehen das Grundproblem darin, dass Aufmerksamkeit mit Zuneigung verwechselt wird. Ein Drink, so die einhellige Meinung, ist eine Transaktion – kein Versprechen. „Es ist nicht deine Freundin“, schrieb ein Leser. „Es ist nur dein Moment.“



Andere verweisen darauf, dass der Verkauf von Drinks schlicht Teil des Jobs für das Barpersonal ist. Die Provisionen seien gering, oft bei etwa 50 Baht pro Getränk, was die Hartnäckigkeit – und mitunter auch den Druck – erkläre. Aus dieser Perspektive sei das System weder romantisch noch täuschend, sondern reines Geschäft. Ein Kommentar brachte es nüchtern auf den Punkt: „Wenn du nicht für Gesellschaft zahlen willst, geh nach Hause und setz dich in deine Stammkneipe.“

Trotzdem ist Frust weit verbreitet. Einige klagen darüber, sofort bedrängt zu werden, sobald sie Platz nehmen, oder einen Drink zu kaufen, nur um dann zuzusehen, wie die Dame kurz darauf verschwindet. Andere stoßen sich an den Preisen – 200 Baht für ein „Lutscher-Wasser“, das nur wenige Minuten Gesellschaft bietet. „Übernimm die Kontrolle, sonst gehst du pleite hinaus“, warnte ein Leser.

Eine wachsende Zahl von Kommentatoren hat sich ganz aus diesem System zurückgezogen. Ihr Rat ist eindeutig: den eigenen Drink kaufen, höflich bleiben und gehen, wenn sich die Atmosphäre rein geschäftlich oder unangenehm anfühlt – ohne Drama, ohne Trinkgeld, ohne Wiederkommen. Mehrere empfehlen, Gegenden mit starkem Lady-Drink-Fokus ganz zu meiden und stattdessen Tagesaktivitäten, Cafés, Ausflüge nach Koh Larn, Rooftop-Restaurants oder Gärten aufzusuchen, wo Gespräche nüchterner und die Erwartungen klarer sind.


Andere Leser widersprechen der zunehmenden Zynik. Sie betonen, dass nichts falsch daran sei, einen Drink zu spendieren und die Gesellschaft für das zu genießen, was sie ist: ein kurzer, einvernehmlicher Austausch, von dem beide Seiten profitieren. „Ein Gewinn für alle“, nannte es ein Kommentator. Probleme entstünden erst dann, wenn Fantasie die Realität ersetze.

Der wohl deutlichste Konsens lautet jedoch: Pattaya hat sich weniger verändert als die Menschen, die mit falschen Annahmen ankommen. „Heute ist alles transaktional“, fasste ein Leser zusammen. „Was früher war, gibt es nicht mehr. Ende der Geschichte.“