
PATTAYA, Thailand – Thailands Immobilienbranche erlebt derzeit ihre schwächste Entwicklung seit zwei Jahrzehnten. Bauträger reduzieren ihre Expansionspläne, verkleinern neue Projekte und konzentrieren sich auf den Abbau unverkaufter Bestände, während finanzstarke Konzerne die Marktschwäche nutzen, um vergünstigte Grundstücke und notleidende Vermögenswerte aufzukaufen.
Issara Boonyoung, Ehrenpräsident des Housing Business Association und Geschäftsführer von Kanda Property, erklärte, dass sich der Immobilienmarkt auch im Jahr 2026 aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit weiter abschwäche.
Nach seinen Angaben agieren Projektentwickler bei neuen Investitionen zunehmend vorsichtig. Budgets für den Erwerb neuer Grundstücke werden gekürzt, Projektstarts verschoben und vorhandene Landreserven bevorzugt entwickelt. Gleichzeitig werden Bauvorhaben kleiner dimensioniert, um der nachlassenden Nachfrage Rechnung zu tragen.
Daten des Real Estate Information Center (REIC) zeigen, dass die Zahl der neu gestarteten Wohnbauprojekte in Bangkok und den angrenzenden Provinzen im ersten Quartal 2026 um 31,1 Prozent zurückging. Der Gesamtwert dieser Projekte sank um 10,4 Prozent. Zwar stieg die Zahl der Eigentumsübertragungen um 10,5 Prozent, doch der Gesamtwert der Transaktionen verringerte sich dennoch um 2,8 Prozent, was den anhaltenden Preisdruck am Markt widerspiegelt.
Besonders betroffen sind mittelgroße Bauträger mit ausstehenden Unternehmensanleihen. Viele sehen sich gezwungen, Vermögenswerte wie Grundstücke, Hotels oder bereits genehmigte Eigentumswohnungsprojekte mit Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA) in Bangkok, Sri Racha und Phuket zu verkaufen. Mit diesen Verkäufen wollen die Unternehmen Liquidität schaffen, ihre Bilanzen stabilisieren und die Zeit bis zu einer Markterholung überbrücken.
Marktanalysten sehen darin einen typischen Verlauf wirtschaftlicher Abschwungphasen, in denen finanzschwächere Unternehmen Vermögenswerte veräußern oder ihre Geschäfte umstrukturieren, während kapitalkräftige Wettbewerber ihre Marktposition ausbauen. Zu den jüngsten Transaktionen gehören der Verkauf von Bürogebäuden, Grundstücken am Flussufer sowie Beteiligungen an Eigentumswohnungsprojekten durch börsennotierte Immobiliengesellschaften, um den Cashflow zu verbessern und Schulden abzubauen.
Trotz der schwierigen Lage kaufen große börsennotierte Bauträger gezielt Grundstücke und angeschlagene Projekte zu deutlich niedrigeren Preisen auf. Der Vorstandsvorsitzende von AssetWise erklärte, dass das geringere Angebot neuer Projekte insbesondere in Bangkok und Phuket attraktive Investitionsmöglichkeiten geschaffen habe, da die Nachfrage dort weiterhin vergleichsweise stabil sei.
Das Unternehmen hat sein Budget für Grundstückskäufe im Jahr 2026 bereits vollständig eingesetzt und konzentriert sich auf kleinere Projekte, die besser zur aktuellen Marktnachfrage passen. Gleichzeitig übernimmt AssetWise zunehmend fertiggestellte oder nahezu fertiggestellte Projekte anderer Entwickler, insbesondere solche mit bereits genehmigter Umweltverträglichkeitsprüfung, wodurch sich die Entwicklungszeit erheblich verkürzen lässt.
Auch Sansiri hat sein Budget für Grundstückserwerbe im Jahr 2026 von zwei auf drei Milliarden Baht erhöht. Das Unternehmen verweist auf eine große Zahl attraktiver Angebote in Bangkok, den Vororten und auf Phuket und bevorzugt baureife Grundstücke, um Umsätze schneller zu erzielen.
Darüber hinaus konzentriert sich Sansiri gezielt auf Entwicklungsflächen in den Bangkoker Stadtteilen Ari, entlang der Rama-IV- und Phetchaburi-Korridore sowie auf größere Grundstücke in Bang Na, Srinakarin und den westlichen Vororten der Hauptstadt.
Führungskräfte von Supalai bezeichneten das aktuelle Marktumfeld als eines der schwierigsten der vergangenen 20 Jahre, zugleich aber als günstigen Zeitpunkt für finanziell solide Unternehmen, ihre Grundstücksreserven strategisch auszubauen. Das Unternehmen hat dafür ein Budget von acht Milliarden Baht bereitgestellt und setzt auf eine langfristige Markterholung.
Auch AP Thailand gehört zu den aktivsten Käufern und plant Berichten zufolge Grundstückskäufe im Wert von bis zu 15 Milliarden Baht. Dies entspricht einer Steigerung von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr und stellt das höchste Investitionsvolumen unter den großen Bauträgern dar. Weitere börsennotierte Unternehmen wie Lalin Property, Pruksa Holding, Land and Houses sowie Frasers Property Thailand halten ebenfalls an Grundstückskaufprogrammen fest, deren Volumen von mehreren hundert Millionen bis zu mehreren Milliarden Baht reicht.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass sich die Verhandlungsposition inzwischen deutlich zugunsten der Käufer verschoben hat. Je nach Lage und Verkaufsdruck seien die Grundstückspreise mancherorts bereits um 30 bis 50 Prozent gefallen. Analysten betonen, dass derzeit nur wenige große Bauträger über ausreichende Finanzkraft verfügen, um umfangreiche Grundstückskäufe vorzunehmen. Dadurch beschleunigt sich die Marktkonzentration, während kleinere Entwickler durch Vermögensverkäufe aus dem Markt ausscheiden und größere Unternehmen ihre Projektpipelines für die erwartete Erholung ausbauen.













