
PATTAYA, Thailand – Das Argument, Pattaya „brauche chinesische Touristen mehr denn je“, um die Erholung zu sichern, klingt vertraut – und genau das ist das Problem. Es ist dieselbe Denkweise, die die Stadt bereits früher verwundbar gemacht hat, und sie droht, diesen Fehler zu wiederholen.
Eine starke Abhängigkeit von einem einzigen Markt mag kurzfristig Entlastung bringen, schafft jedoch langfristige Fragilität. Verlangsamt sich dieser Markt, ändert sich die Politik oder gerät die Wirtschaft ins Stocken, spürt die gesamte lokale Ökonomie die Folgen. Eine widerstandsfähige Tourismusstadt darf ihr Überleben nicht an eine Nationalität, ein Ausgabeverhalten oder eine von oben gesteuerte Erzählung knüpfen.
Für Pattaya bedeutet echte Erholung nicht, eine Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen. Sie entsteht durch die Ansprache eines breiten Besucherspektrums – Familien, regionale Reisende, Fernstreckentouristen, Budgetgäste, Mittelklasse-Reisende und Premiumkunden. Jeder trägt auf unterschiedliche Weise und zu unterschiedlichen Zeiten zur Wertschöpfung bei. Vielfalt ist kein Schlagwort, sondern grundlegendes Risikomanagement.
Es gibt zudem eine unbequeme Wahrheit, die im offiziellen Optimismus selten ausgesprochen wird: Städte müssen sich irgendwann fragen, ob eine „Erholung“ in ihrer alten Form überhaupt noch möglich ist. Wenn das System nur weiterläuft, indem Standards gesenkt, Preise erhöht und sinkende Erträge aus weniger Besuchern gepresst werden, handelt es sich womöglich nicht um Erholung, sondern um Aufschub. Manchmal ist es nachhaltiger, innezuhalten, neu zu denken und auf einem anderen Modell aufzubauen.
Jüngste politische Schritte, etwa die Lockerung der Alkoholverkaufszeiten, werden als Konjunkturimpuls dargestellt. Doch längere Trinkzeiten lösen keine strukturellen Probleme. Solange in Teilen der Nachtwirtschaft kurzfristige Gewinnmaximierung über Qualität und Fairness steht, ändert sich wenig. Überzogene Preise, aggressive Geschäftspraktiken und das Streben nach schnellen Profiten vertreiben Besucher schneller als jede fehlende Werbekampagne.
Fühlen sich Touristen überteuert behandelt oder als wandelnde Geldbörsen wahrgenommen, kehren sie nicht zurück – und sie erzählen anderen davon. Dieser Reputationsschaden breitet sich weit über einen einzelnen Markt hinaus aus. Keine staatliche Kampagne kann das ausgleichen, wenn Preisverhalten und Geschäftsstandards nicht klar reguliert und kontrolliert werden.
Pattayas Herausforderung ist nicht der Mangel an Touristen. Es ist das Fehlen von Balance, Disziplin und ehrlicher Selbstanalyse. Alle Eier in einen Korb zu legen – ob heute chinesische Touristen oder morgen eine andere Zielgruppe – bringt den Abgrund nur näher.
Eine Erholung, die von einem einzigen Markt abhängt, ist keine Erholung. Sie ist Vertagung.









