Thailands tief verwurzeltes Korruptionsproblem und die Auswirkungen auf Pattaya

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Korruption bleibt eine anhaltende Herausforderung in Thailand. Sinkende Werte im Korruptionswahrnehmungsindex untergraben das öffentliche Vertrauen, verzerren staatliche Strukturen und stellen wachsende Risiken für zentrale Wirtschaftssektoren wie den Tourismus dar. (Foto: Jetsada Homklin)

PATTAYA, Thailand – Thailands Rückgang auf den niedrigsten Wert im Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) seit 19 Jahren ist mehr als eine peinliche Statistik. Er gilt als Warnsignal, das Fragen der Regierungsführung, des öffentlichen Vertrauens und der wirtschaftlichen Zukunft des Landes berührt. Mit lediglich 33 von 100 Punkten im CPI 2025 liegt Thailand weltweit auf Rang 116 – ein Ergebnis, das nicht nur Wahrnehmung widerspiegelt, sondern für Bürger, Investoren und Besucher zunehmend Realität geworden ist.

Korruption beschränkt sich dabei nicht auf spektakuläre Skandale oder die nationale Politik. Sie zeigt sich im Alltag – in intransparenten Genehmigungsverfahren, selektiver Rechtsdurchsetzung, informellen Zahlungen, Begünstigungen und regulatorischer Unbeständigkeit. Diese Strukturen schwächen das Vertrauen in Institutionen und schaffen ungleiche Wettbewerbsbedingungen, in denen Integrität häufig benachteiligt wird.


Besonders sichtbar wird dieses Problem in tourismusabhängigen Städten. Pattaya zählt zu den international bekanntesten Destinationen des Landes und ist ein zentraler Motor für Beschäftigung und lokale Wirtschaft. Gleichzeitig treten hier langjährige Herausforderungen in Verwaltung und Durchsetzung von Regeln besonders deutlich hervor.

Tourismusunternehmen und langjährige Besucher berichten regelmäßig von ungleicher Anwendung von Gesetzen, bei denen Vorschriften für einige flexibel erscheinen, für andere jedoch strikt gelten. Ob Bauvorschriften, Zonierung, Strandmanagement, Nachtleben oder Transportdienste – die Wahrnehmung hält sich, dass Regeln verhandelbar sind, sofern die richtigen Kontakte bestehen.


Diese Situation hat drei wesentliche Folgen. Erstens werden Sicherheit und Standards untergraben. Wenn Kontrollen oder Genehmigungen umgangen werden können, verliert die öffentliche Sicherheit an Priorität. Touristen sehen Korruption selten direkt, erleben jedoch ihre Konsequenzen – etwa unsichere Gebäude, unzureichend regulierte Transportangebote oder uneinheitliche Sicherheitsstandards.

Zweitens leidet das internationale Image. In Zeiten sozialer Medien verbreiten sich Berichte über Betrug, Bestechungsforderungen oder selektive Polizeiarbeit schnell. Für ein Land, das im Wettbewerb mit Vietnam, Malaysia, Indonesien und Japan um qualitätsorientierte Besucher steht, wird Reputation zunehmend zum entscheidenden Faktor.


Drittens schreckt ein solches Umfeld hochwertige Investitionen ab. Seriöse Investoren suchen Transparenz, Planbarkeit und Rechtssicherheit. Wenn wirtschaftlicher Erfolg stärker von Beziehungen als von Regelkonformität abhängt, zögern langfristig orientierte Investoren – und kurzfristige, wenig nachhaltige Projekte gewinnen an Raum.

Korruption und Tourismus bilden dabei einen problematischen Kreislauf. Hohe Besucherzahlen erzeugen bargeldintensive Geschäftsmodelle, die wiederum Möglichkeiten für informelle Zahlungen und Einflussnahme schaffen. Mit der Zeit besteht die Gefahr, dass Behörden reaktiv statt prinzipiengeleitet handeln und das Vertrauen der Öffentlichkeit weiter erodiert.

Dies verstärkt auch den Unmut in der lokalen Bevölkerung, die eine ungleiche Nutzung öffentlicher Räume, inkonsequente Rechtsanwendung und ungleich verteilte wirtschaftliche Vorteile wahrnimmt. Für viele langjährige ausländische Residenten und wiederkehrende Besucher entsteht der Eindruck, dass es schwieriger wird, in Thailand fair zu leben und Geschäfte zu betreiben.

Die Ankündigung von Premierminister Anutin Charnvirakul, Korruptionsbekämpfung zur nationalen Priorität zu machen, besitzt daher politische Bedeutung. Seine Einschätzung, ein CPI-Wert von 33 sei eine „nicht bestandene Prüfung“, gilt als ungewöhnlich deutlich für thailändische Verhältnisse. Doch klare Worte allein reichen nicht aus.

Der entscheidende Test wird sein, ob Reformen systemisch statt symbolisch umgesetzt werden – ob Gesetze auf lokaler Ebene konsequent angewendet werden, Behörden unabhängig arbeiten können und Korruptionsfälle sichtbare Konsequenzen nach sich ziehen, statt in stillen Versetzungen oder vorzeitigen Pensionierungen zu enden. Für Städte wie Pattaya bedeutet Reform mehr als politische Schlagworte: transparente Genehmigungsverfahren, digitalisierte Abläufe, gleiche Regeln für alle Marktteilnehmer und Schutz für Beamte, die ihre Arbeit korrekt ausführen.


Thailands Tourismussektor erholt sich zwar zahlenmäßig, jedoch nicht zwangsläufig in Qualität und Vertrauen. In einer Zeit, in der Reisende anspruchsvoller und Investoren vorsichtiger werden, ist Korruption längst kein rein nationales Problem mehr, sondern ein Wettbewerbsnachteil.

Wenn Thailand den Übergang vom Massentourismus zu höherwertigen Besuchern, Familien, Ruheständlern und langfristigen Investoren schaffen will, kann Korruption nicht länger als unvermeidliches Hintergrundrauschen akzeptiert werden. Der CPI-Wert ist mehr als eine Zahl – er ist ein Spiegel. Und für Thailand, insbesondere für Vorzeigestädte wie Pattaya, wird das Spiegelbild zunehmend schwerer zu ignorieren.