Zinswende erreicht – SCB CIO rät Anlegern zu Fokus auf KI und Schwellenmärkte

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Sornchai Suneta, CFA, Senior Executive Vice President und Head of Wealth & Investment Product der Siam Commercial Bank, sieht das Ende der globalen Phase aggressiver Zinssenkungen und rät Anlegern zu einem stärkeren Fokus auf Fiskalpolitik, Konjunkturdaten und ausgewählte KI-getriebene Chancen – insbesondere in den Schwellenländern.

PATTAYA, Thailand – Das Chief Investment Office der Siam Commercial Bank (SCB CIO) geht davon aus, dass der globale Zyklus aggressiver Zinssenkungen seinem Ende entgegengeht. Anleger sollten ihren Blick künftig stärker auf Fiskalpolitik, Konjunkturdaten sowie gezielte Chancen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) richten – insbesondere in den Schwellenländern.

Sornchai Suneta, CFA, Senior Executive Vice President und Head of Wealth & Investment Product der Siam Commercial Bank, erklärte, dass SCB CIO kürzlich Investitionseinschätzungen mit dem weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock ausgetauscht habe. Die Analyse komme zu dem Schluss, dass sich die Leitzinsen in den großen Volkswirtschaften im Jahr 2026 wieder stärker an einem Normalniveau orientieren dürften, nachdem der Höhepunkt der Zinssenkungen bereits 2025 erreicht worden sei. Entsprechend werde die Geldpolitik im Vergleich zum Vorjahr einen geringeren Einfluss auf Anlageentscheidungen haben.



Die Märkte erwarten, dass die US-Notenbank Federal Reserve im Jahr 2026 zwei Zinssenkungen vornimmt und der Leitzins damit auf etwa 3,0 bis 3,25 Prozent sinkt. Die Europäische Zentralbank dürfte ihren Leitzins bei rund 2 Prozent belassen, während die Bank of Japan ihren Zinssatz im Laufe des Jahres von 0,75 auf 1 Prozent anheben könnte. Für das erste Quartal 2026 wird erwartet, dass Fed, EZB und BoJ ihre Zinsen unverändert lassen, was die Bedeutung von Fiskalpolitik und Wirtschaftsdaten weiter erhöht.

Die Fiskalpolitik gewinnt nach Einschätzung von SCB CIO zunehmend an Bedeutung für die Marktentwicklung. Die Haushaltsdefizite vieler Länder lagen in den Jahren 2022 bis 2025 gemessen am Bruttoinlandsprodukt über dem Vorkrisenniveau und dürften in den Jahren 2026 bis 2027 weiter steigen. Die hohe Staatsverschuldung – insbesondere in Japan und den USA – erhöht langfristige Risiken für Staatsanleihen und führt zu einer höheren Nachfrage nach Laufzeitprämien bei langfristigen Bonds. Dies setzt vor allem langlaufende Staatsanleihen sowie Währungen wie den US-Dollar und den japanischen Yen unter Druck.


SCB CIO rechnet daher mit anhaltendem Druck auf langfristige Staatsanleihen, den US-Dollar und den Yen. Dagegen könnten Schwellenländer mit geringeren Schuldenbeschränkungen, darunter China und Indien, von einem schwächeren Dollar profitieren. In den großen Volkswirtschaften konzentriert sich die Fiskalpolitik zunehmend auf Wirtschaftswachstum und strategische Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere im Bereich der KI-Entwicklung und der nationalen Sicherheit. Dies dürfte die wirtschaftliche Aktivität und Unternehmensgewinne stützen. Der weltweit steigende Verteidigungsetat spiegelt zudem erhöhte geopolitische Risiken wider und stärkt das Argument für eine stärkere Goldallokation zur Diversifikation.


Gleichzeitig reagieren die Finanzmärkte sensibler auf Konjunkturdaten, da die US-Notenbank zu einem stärker sitzungsabhängigen Ansatz mit weniger klarer Vorabkommunikation übergegangen ist. In Verbindung mit rückläufiger Marktliquidität und strukturellen Schwächen könnten selbst moderate Überraschungen bei Wirtschaftsdaten überproportionale Kursbewegungen auslösen.

Trotz der erhöhten geopolitischen Unsicherheiten bleibt SCB CIO grundsätzlich positiv gegenüber risikobehafteten Anlagen eingestellt. Bevorzugt werden weiterhin US-Aktien im Kontext des KI-Investmentthemas sowie ausgewählte Chancen in den Schwellenländern. Gold wird als stabilisierendes Element empfohlen, um Portfolios gegen makroökonomische und geopolitische Risiken abzusichern.