
PATTAYA, Thailand – Die Ermittlungen zum Verschwinden und mutmaßlichen Mord an einer 17-jährigen Thailänderin in Pattaya gehen weiter. Polizei und eine enge Freundin des Opfers haben neue Einzelheiten bekannt gegeben, während die Ermittler anhand von Überwachungsvideos und forensischen Beweisen den Tathergang rekonstruieren. Der 45-jährige Australier Simon Peter Carmen befindet sich weiterhin in Pattaya in Polizeigewahrsam.
Der Australier wurde festgenommen, nachdem er beschuldigt wird, die 17-jährige Thailänderin, die unter dem Spitznamen „Cake“ bekannt war, getötet zu haben. Der Fall hat in Pattaya großes Aufsehen erregt und internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Nach Angaben der Polizei wurde Carmen am Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok festgenommen, als er angeblich versuchte, ein Flugticket für die Ausreise aus Thailand zu kaufen. Seitdem wird er in Pattaya verhört, während die Ermittler die Ereignisse vor dem Fund der Leiche des Mädchens rekonstruieren.
Nach Auswertung von Überwachungskameras betrat das Opfer am 25. Juni um 03.34 Uhr gemeinsam mit dem Australier ein Wohnhochhaus an der Jomtien Second Road. Beide wurden dabei gefilmt, wie sie Hand in Hand in ein Zimmer im 15. Stock gingen. Die Jugendliche wurde danach nicht mehr lebend beim Verlassen des Gebäudes gesehen.
Am selben Tag gegen 21.34 Uhr zeigen die Aufnahmen den Verdächtigen, wie er das Gebäude allein verlässt und einen schwarzen Koffer hinter sich herzieht. Anschließend befestigte er diesen auf dem Gepäckträger eines roten Motorrads vom Typ Yamaha Aerox und fuhr über die Sukhumvit Road in die Soi Chaiyapruek 2. Danach bewegte er sich entlang der Eisenbahnstraße und verschwand für etwa neun Minuten aus dem Sichtbereich der Kameras. Später kehrte er ohne den Koffer in das Wohnhaus zurück. Ermittler vermuten daher, dass sich die Leiche des Opfers in dem Gepäckstück befand.
Nachdem Angehörige die Jugendliche als vermisst gemeldet hatten, durchsuchte die Polizei das Apartment und stellte deutliche Hinweise auf einen heftigen Kampf fest. Weder das Opfer noch der Verdächtige befanden sich jedoch in der Wohnung.
Zwei Tage später, am 26. Juni gegen 19.00 Uhr, wurde Carmen am Flughafen Suvarnabhumi festgenommen. Die Beamten stellten Kratzverletzungen an Hals und Armen fest, die nach ihrer Einschätzung auf eine körperliche Auseinandersetzung hindeuten könnten.
Der Verdächtige erklärte den Ermittlern, er habe das Mädchen zuvor nicht gekannt und sie in der Nähe seines Wohnhauses kennengelernt. Beide hätten sich auf eine Zahlung von 1.000 Baht geeinigt und seien gemeinsam auf sein Zimmer gegangen. Dort habe die junge Frau erklärt, dass sie ihre Menstruation habe. Daraufhin habe er ihr nur noch 500 Baht zahlen wollen, worauf ein Streit entstanden sei.
Weiter behauptete Carmen, die Jugendliche habe anschließend ein Messer ergriffen und mehr Geld verlangt. Er habe sie daraufhin aus Selbstverteidigung am Hals gepackt. Sie sei danach regungslos geworden. Er betonte, sie nicht töten zu wollen, räumte jedoch ein, den Leichnam anschließend in einen Koffer gelegt und neben einer Eisenbahnstrecke im hohen Gras abgelegt zu haben.
Die Polizei erklärte, diese Aussagen seien bislang nicht bestätigt und würden gemeinsam mit den forensischen Untersuchungen und der Auswertung der Videoaufnahmen überprüft.
Am 26. Juni um 23.17 Uhr verfolgten Ermittler anhand der Videoaufzeichnungen die Fahrtroute des Motorrads und fanden den schwarzen 26-Zoll-Koffer etwa 4,2 Kilometer vom Wohnhaus entfernt neben einer Bahnstrecke im hohen Gras. Rettungskräfte bestätigten nach dem Öffnen des Koffers, dass sich darin eine menschliche Leiche befand.
Forensiker identifizierten die Tote später als die zuvor vermisst gemeldete 17-Jährige. Sie wurde nackt, in Stoff eingewickelt und mit schweren Verletzungen aufgefunden. Blutspuren befanden sich im Bereich von Mund und Nase. Nach Einschätzung der Gerichtsmediziner war sie bereits mindestens zwei Tage tot.
Der Polizeichef von Pattaya, Pol. Col. Anek Srathongyu, erklärte, nach derzeitigem Ermittlungsstand sei der Australier die letzte Person gewesen, die mit dem Opfer gesehen wurde. Zwar bestreite der Verdächtige weiterhin seine Schuld, doch die Ermittler seien aufgrund der Videoaufzeichnungen, der forensischen Spuren und des aufgefundenen Koffers weiterhin skeptisch. Der Australier bleibt bis auf Weiteres in Pattaya in Haft und wird weiter verhört.
Eine enge Freundin des Opfers schilderte zudem die Lebensumstände der Jugendlichen. Sie erklärte, das Mädchen habe die Schule aus finanziellen Gründen verlassen müssen und sei nach Pattaya gezogen, um als Kellnerin zu arbeiten und ihre Familie zu unterstützen. Gleichzeitig wies sie Vorwürfe in sozialen Netzwerken gegen das Opfer entschieden zurück und appellierte an die Öffentlichkeit, die Verstorbene nicht für ihre Situation verantwortlich zu machen. Viele Internetnutzer äußerten daraufhin ihr Mitgefühl mit der Familie.
Pol. Col. Anek betonte erneut, dass die Ermittlungen ausschließlich auf Beweisen basierten. Derzeit würden sämtliche CCTV-Aufnahmen, forensischen Gutachten und Zeugenaussagen ausgewertet, bevor endgültige Anklagen erhoben würden. Er fügte hinzu, dass derart schwere Gewaltverbrechen mit ausländischen Tatverdächtigen in Pattaya selten seien und nicht die allgemeine Sicherheitslage der Stadt widerspiegelten.
Die Behörden bestätigten außerdem die Zusammenarbeit mit der australischen Botschaft. Dem Verdächtigen wurde entsprechend den thailändischen Rechtsvorschriften aufgrund der Schwere der Vorwürfe rechtlicher Beistand gewährt.
.














