Nominees, Bankkonten und Grenzkontrollen – Warum sich Thailands Durchgreifen plötzlich sehr real anfühlt

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Phuket ist zu einem sichtbaren Beispiel dafür geworden, dass thailändische Behörden von formalen Vorschriften zu aktiver Durchsetzung übergehen – ein deutliches Signal an ausländische Geschäftsinhaber, dass Compliance nun behördenübergreifend genauer kontrolliert wird.

PATTAYA, Thailand – Über Jahre hinweg herrschte unter vielen ausländischen Geschäftsinhabern in Thailand eine stille Annahme: Solange nichts schiefläuft, schaut niemand allzu genau hin. Doch dieses Gefühl der informellen Toleranz beginnt zu bröckeln. In den vergangenen Wochen ist insbesondere Phuket zu einem sichtbaren Signal geworden, dass Vorschriften nicht länger nur auf dem Papier existieren – sie werden zunehmend koordiniert und konsequent durchgesetzt.

Phuket: Wenn der Fokus schärfer wird

Ende Januar und Anfang Februar führten Beamte des Department of Business Development (DBD) gemeinsam mit dem Department of Special Investigation (DSI), der Einwanderungsbehörde, der Touristenpolizei und Provinzvertretern intensive Kontrollen in Phuket durch. Im Zentrum standen Unternehmen, bei denen der Verdacht auf sogenannte „Nominee“-Strukturen bestand – also thailändische Anteilseigner, die formal als Mehrheitseigentümer auftreten, während faktisch Ausländer die Kontrolle ausüben.



Die Kontrollen gingen über reine Aktenprüfungen hinaus. Beamte erschienen persönlich vor Ort. Berichten zufolge zeigten sich dabei bekannte Muster:

  • Mehrere Firmen waren unter derselben Buchhaltungs- oder Anwaltsadresse registriert.
  • Thailändische Gesellschafter konnten ihre Rolle oder Entscheidungsbefugnis nicht plausibel erklären.
  • Buchhalter traten ersatzweise als „Direktoren“ auf, wenn die tatsächlichen Entscheidungsträger nicht verfügbar waren.

Einige Unternehmen wurden zur Vorlage zusätzlicher Unterlagen aufgefordert, andere Fälle an Ermittlungsbehörden weitergeleitet. Dass Phuket als tourismus- und immobiliengetriebener Hotspot mit hohem Auslandsanteil im Fokus steht, überrascht kaum – und dürfte kaum der letzte Standort bleiben.


Nominee-Strukturen: Von Grauzone zum Risiko

Nominee-Konstruktionen existieren seit Jahrzehnten. Was lange als „gängige Praxis“ galt, entwickelt sich nun zu einer Haftungsfalle. Behörden prüfen nicht mehr nur, ob Dokumente formal korrekt erscheinen, sondern ob Eigentumsverhältnisse, Kapitalflüsse und Entscheidungsstrukturen tatsächlich der Realität entsprechen.

Wenn ein thailändischer Anteilseigner auf dem Papier 51 Prozent hält, aber weder Herkunft der Investitionsmittel noch betriebliche Entscheidungen erklären kann, wird die Struktur angreifbar. Entscheidend ist nicht mehr die Form, sondern die Substanz.


Bankkonten: Compliance wird persönlich

Parallel dazu verschärfen Banken ihre Prüfungen. Ausländische Kontoinhaber berichten zunehmend von Nachfragen zur Herkunft von Geldern, zum Zweck von Transaktionen und zur Übereinstimmung zwischen Visastatus und finanzieller Aktivität. In Einzelfällen wurden Konten eingefroren oder geschlossen, wenn Unterlagen nicht zeitnah vorgelegt werden konnten.

Hintergrund sind strengere Vorgaben im Bereich Geldwäscheprävention (AML) und „Know Your Customer“-Regeln (KYC). Banken stehen unter wachsendem Druck, keine intransparenten Strukturen oder informellen Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Für viele Expats, die ihr Bankwesen bislang als routinemäßig betrachteten, kommt diese Entwicklung überraschend.

Einwanderung: Nachweis der Mittel rückt in den Fokus

Auch bei der Einreise wird genauer hingesehen. Reisende berichten vermehrt von Nachfragen zu finanziellen Mitteln, insbesondere bei Langzeit- oder Nicht-Touristen-Visa. Gesetzlich neu ist dies nicht – doch die konsequentere Anwendung sorgt für Unsicherheit. Unterschiedliche Beamte, unterschiedliche Erwartungen und wenig Vorwarnung tragen zu einem Gefühl wachsender Unberechenbarkeit bei.

Das größere Bild: Substanz statt Formalität

In der Gesamtschau zeichnet sich ein klarer Trend ab. Thailand bewegt sich von informeller Duldung hin zu materieller Compliance. Wer kontrolliert ein Unternehmen tatsächlich? Woher stammt das Kapital? Entspricht das Visum der tatsächlichen Tätigkeit?

Die Regeln selbst sind nicht neu. Neu ist die Intensität ihrer Durchsetzung.



Was Expats daraus ableiten sollten

Panik ist nicht angebracht – Nachlässigkeit jedoch riskant. Wer auf Nominee-Strukturen setzt, Einkünfte nur lückenhaft dokumentiert oder davon ausgeht, dass Bankkonto und Visum „schon immer funktioniert haben“, sollte seine Situation prüfen.

Thailand hat die Gesetze nicht verändert. Aber es scheint entschlossen, sie ernster zu nehmen. Phuket könnte dabei nur das erste Kapitel einer breiteren Entwicklung sein.