
PATTAYA, Thailand – Am Valentinstag zeigt sich Pattaya wie jedes Jahr von seiner vertrauten Seite: Paare schlendern bei Sonnenuntergang am Strand entlang, Rosen schmücken Cafétische, Livemusik klingt aus Bars in die warme Abendluft. Liebe scheint allgegenwärtig. Doch unter vielen ausländischen Touristen und Langzeitbesuchern hält sich hartnäckig eine nüchterne Gegenmeinung: „In Pattaya ist Geld die einzige Liebe.“
Für Neuankömmlinge wird diese Wahrnehmung oft schnell spürbar. Abläufe sind klar, Zeit ist kalkuliert, Aufmerksamkeit hat häufig ihren Preis. In einer Stadt, die stark vom Tourismus lebt, wirkt wenig mehrdeutig. Getränke werden bestellt, Dienstleistungen sind definiert, Freundlichkeit erscheint professionell. Manche empfinden diese Offenheit als erfrischend ehrlich – keine falschen Versprechen, keine Missverständnisse. Man zahlt, man bekommt, was man erwartet, und geht zufrieden nach Hause.
Andere sehen es differenzierter. Sie argumentieren, Pattaya verkaufe nicht Liebe, sondern Verfügbarkeit und Gesellschaft auf Abruf. Was daraus entsteht, liege bei den Beteiligten. Bars fungieren zugleich als soziale Treffpunkte, an denen Alleinreisende unkompliziert Gespräche führen und gemeinsame Abende verbringen können. Stammgäste kennen das Personal beim Namen, Barkeeper erinnern sich an das Lieblingsgetränk. Livebands und Sportübertragungen schaffen Momente des Miteinanders – selbst unter Fremden.
Für Langzeitaufenthalter wird die Debatte persönlicher. Manche berichten, dass Beziehungen mit der Zeit automatisch einen geschäftlichen Unterton erhalten. Vertrauen werde vorsichtiger, Romantik indirekt verhandelt. Geld stehe unausgesprochen im Raum und präge Erwartungen, noch bevor Gefühle entstehen können.
Doch ebenso deutlich widersprechen andere dem pauschalen Urteil. Sie verweisen auf Freundschaften, die über Jahre gewachsen sind, auf Partnerschaften jenseits des Nachtlebens, auf Begegnungen, die mit einem Drink begannen und sich zu etwas Beständigem entwickelten. Pattaya, so ihr Argument, nehme Illusionen – was bleibe, hänge vom Menschen ab.
Der Valentinstag verstärkt diesen Kontrast. Für manche ist er Feier, für andere Spiegel. Einige genießen die Offenheit der Stadt ohne Illusionen, andere suchen das Gespräch, das länger dauert als die Rechnung. Am Ende gibt Pattaya keine eindeutige Antwort. Die Stadt reflektiert, was man in ihr sehen will.









